ÖZ · DER ZWEITE BLICK
Über „Der 2te Blick“
Den ersten Blick bekommt jeder frei Haus. Die Schlagzeile, das schnelle Urteil, das Etikett, das eine Sache sofort erledigt. Der zweite Blick ist Arbeit. Er fragt: Stimmt das? Wer sagt das? Und was steht wirklich in der Quelle?
Genau das mache ich hier. Einmal pro Woche nehme ich mir ein Thema vor, das mich nicht loslässt, und schaue zweimal hin. Ich recherchiere selbst, ich prüfe nach, und dann sage ich, was ich denke – klar, auch wenn es unbequem ist.
Ich schreibe nicht neutral. Ich schreibe begründet. Meine Meinung steht drin, aber sie steht auf Fakten, nicht auf Stimmung. Wer anderer Ansicht ist, soll widersprechen können – mit Argumenten, nicht mit Reflexen.
Woher ich schaue, verschweige ich nicht: Ich bin Muslim, hanefitisch im Recht, maturiditisch im Glauben, türkischer Abstammung, geboren in Österreich. In der Haltung Stoiker – das Urteil gehört zu dem, was in meiner Macht steht, die Empörung nicht. Das ist der Standpunkt, nicht die Schranke. Geprüft wird jede Seite, auch die eigene.
Mehr Anspruch braucht es nicht: hinsehen, prüfen, Haltung zeigen.
Öztürk Öz
Wie ich arbeite
Eine Meinung ist schnell geschrieben. Mir ist wichtiger, dass sie hält.
Darum gehe ich, wo es möglich ist, zur Originalquelle – zum Urteil selbst, zur Studie selbst, zum vollständigen Zitat, nicht zur Schlagzeile darüber. Eine Studie mache ich nicht größer, als sie ist: Was sie zeigt, zeigt sie; was sie offenlässt, bleibt offen. Ich trenne, was Tatsache ist, von dem, was meine Bewertung ist – du sollst beides auseinanderhalten können. Gegenpositionen nehme ich ernst, nicht als Strohmann, sondern in ihrer stärksten Form. Und wenn ich einen Fehler mache, korrigiere ich ihn offen, statt ihn still verschwinden zu lassen.
Das ist kein Anspruch auf Unfehlbarkeit. Es ist die Bereitschaft, jederzeit zu zeigen, worauf mein Urteil steht.
Korrekturen
Wird nach der Veröffentlichung ein relevanter sachlicher Fehler entdeckt, wird er korrigiert. Wesentliche Änderungen mache ich kenntlich, statt sie stillschweigend vorzunehmen. Ein zweiter Blick gilt auch für das eigene Geschriebene.